Mein Freund Heinrich Manecke

von Friedrich Schoppenhorst*1848

 
 

Er ist heimgegangen, mein lieber teurer Jugendfreund, mit dem ich so viel verkehrt, mit dem ich zur Schule gegangen, mit dem ich konfirmiert, der mit den Posaunenchor gegründet und mit dem ich manche Tour gemacht. Ich will daher versuchen, ihm hier ein kleines Denkmal zu setzen. Er wurde geboren 1849, hier in Ladbergen. Seine Eltern waren sehr arm, wohl die ärmsten in der Gemeinde. Der Vater hatte das Pulver  nicht erfunden, besaß keine Energie, keine Willenskraft. Er war der Sohn des Schmiedes Manecke, welcher eine Schwester meines Vaters zur Frau hatte, aber auch ganz verarmt war, so dass er nach dem Tode seiner Frau als Wachenknecht bei den Bauern sein Brot verdienen mußte. Damals war es hier in Ladbergen sehr traurig bestellt um den kleinen Mann. Der Verdienst war sehr gering. Allenthalben war Not und Elend unter den kleinen Leuten. Wer keinen eigenen Haushalt hatte , mußte oft darben. So ging man ins Ausland, nach Holland, und suchte etwas zu verdienen. Mein Vater ist auch 12 Jahre, also in den Sommermonaten nach Holland gewandert und hat sich als Zimmermann seinen Verdienst gesucht, bis er als Bote der Torfgräber ernannt wurde. Der alte Schmied Manecke ging dann gewöhnlich mit ihm und arbeitet an der Dedemsvaart bei einem Schmied als Geselle. Hier hatte er ein irgendwo ein notdürftiges Unterkommen mit seiner Frau gefunden. Seinen Sohn Wilhelm, den Vater meines Freundes, hatte mein Vater in die Lehre genommen und er erlernte das das Spinnradmachen und das Zimmerhandwerk. Zu einem Künstler in diesem Handwerk hat er es nie gebracht. Auch verheiratete er sich zu früh. Nach der Heirat scheint er allen Lebensmut verloren zu haben, war gleichgültig in allem geworden. Er hatte zwar eine Miete bekommen in dem alten, baufälligen Hause (Heuer) des Kolon Köllmeyer. Doch da dieser das alte Haus abbrach, hatte er kein Unterkommen mehr. Doch der alte Kämper auf dem Kraakenkotten hatte ein altes baufälliges Backhaus. Es war nur ein kleiner Raum. Dies bot er dem Manecke zur Wohnung an. Es wurden Pfähle in die Erde gegraben, die Wände mit Rasenstücken gefüllt, ein Strohdach darauf und so gewann man Raum zu einer Schlafkammer und Stall für eine Ziege. In diese elende Behausung zogen nun die Eheleute Wilhelm Manecke. In dieser hat nun auch mein Freund seine Kinderjahre verlebt. Der Vater arbeitete dann bei meinen Eltern und bekam 50& und die Kost als Lohn. Daß er davon die Familie nicht ernähren konnte, kann jeder begreifen. Die Frau war eine emsige Spinnerin und spann den ganzen Tag, jahrein, jahraus für andere Leute, verdiente aber damit sehr wenig, pro Tag 50 & bei eigener Kost war alles. Aber wenn sie das Garn zu den Leuten brachte, gaben ihr diese doch gewöhnlich noch eine Extragabe, bestehend aus Brot, Mehl und Milch. Ein reicher Ladberger in Amerika, Feldwisch mit Namen und noch andere drüben sandten mehrmals große Kisten mit amerikanischem Speck für unsere Armen und auch hiervon bekam unser armer Manecke ein gut Stück zugeteilt. Der Kinder waren eine ganze Reihe. Und daher mußten diese, sobald sie soweit erwachsen, hinaus zu den Bauern, wo sie als Kühehirten Arbeit fanden. Also hatte es auch unser Heinrich sehr schlecht in seiner Kindheitszeit. Oft hatten die Leute nur Wasser und Brot. So erinnere ich mich eines Sonntags. Es war in der Zeit der Waldbeeren reifen. Wir hatten in der Schule beschlossen, den Sonntag Nachmittag in Jochmarings Busch, wo es Beeren so viele gab, zusammen dahin zu gehen, um solche zu pflücken. Heinrich Manecke, der dort bekannt, sollte den Führer abgeben. Wir versammelten uns bei der Wohnung des Manecke um 12 Uhr. Aber der Führer war noch nicht zu bewegen, mit uns aufzubrechen, erst müßte der Vater aus der Kirche zurück sein. Zum Öfteren lief der Heinrich dem Vater entgegen und hielt auf der Wallhecke stehend Ausschau, ob der Vater noch nicht käme. Schließlich kam der Alte unterm Arme in einem Taschentuch gebunden ein Stück Schwarzbrod. Nachdem dieses unter den Kindern verteilt und von ihnen verzehrt als Mittagsmahl brachen wir zusammen auf, fröhlich und guter Dinge nach Jochmeringsbusch und pflückten Bickbeeren.

Nachher kam der Junge nach Colon Bergfeld in Schmedehausen als Kuhhirte. Er war ein wissenshungriger Junge, der alles las, was ihm an Büchern und Schriften in die Hände kam. Es fand sich auch bald ein Kamerad in dem Sohn des Nachbarn des Colon Heidkötter, der hütete ebenfalls die Kühe. Derselbe war im Besitz einer alten Uhr. An dieser machten beide  nun Studien, indem sie die Uhr auseinander nahmen und wieder zusammensetzten. Das war die erste Lehrwerkstatt für den späteren Uhrmacher Manecke. Der Heidkötter ist später Geistlicher geworden. Das Freundschaftsband zwischen unseren Manecke und dem katholischen Heidkötter, dem Vikar ist geblieben. Nach manchen Irrfahrten unseres H. Manecke, er war Bauernknecht, dann Sägemüller, Tümmler und dann nachdem er sich mit einer Magd Rika Haßling verheiratet, Heuermann bei Decker im Damhause. Hier fing er dann die Uhrmacherei an, indem er die Uhren reinigte, reparierte und den Leuten neue besorgte. Er schlug sich leidlich durch Auf die Dauer ging's da in der Bauernschaft, abgelegen vom Verkehr, doch nicht, zumal sich die Familie stark vermehrte. Als nun Schulten Wilm von dem Lehrer Hilgemann das alte Haus im Dorfe, genannt die Scheere kaufte, mietete er dieses und zog ins Dorf. Er richtete sich einen kleinen Laden, Uhren, auch christliche Bücher, ein und wurde somit bald ein berühmter Uhrmacher. Hier lebte er still vor sich hin, war sehr fleißig, gleich seiner Frau, eine ENERGISCHE Person, und hatten somit ihr Auskommen. Da die Familie sich stark vergrößerte, so sah er oft mit Sorge in die Zukunft. Hier in der Scheere habe ich so manches Abendstündchen mit ihm verlebt. Nie haben wir Streit miteinander gehabt, nie sind Zwistigkeiten unter uns entstanden. Wir waren ein Herz und eine Seele. Die schönsten Stunden meines Lebens habe ich mit Freund Maneke hier verlebt, manche Fußtour mit ihm gemacht, das Geld war bei uns beiden recht knapp. Wenn er seine Uhren sich von der Uhrengroßhandlung in Münster beschaffen mußte, dann ging's morgens in aller Frühe um 3 Uhr auf Schusters Rappen los. Ich kochte Kaffee und machte ein paar Butterbrote zurecht und Punkt 3 Uhr war Manecke bei uns. Wir tranken zusammen Kaffee und dann ging's zu Fuß durch Schmedehausen, durch Bockel nach Münster. Es waren herrliche Morgenstunden, wenn so in aller Frühe zusammen wanderten in schöner Eintracht und Unterhaltung. Wenn wir in Bockel waren hörten wir links und rechts die Bauern die Dreschflegel schwingen und die Hähne krähen. Auf der Schiffahrt wurde bei dem Wirte J. eingekehrt und für einen Silbergroschen ein Kümpken Kaffee getrunken, wozu wir dann eins von den Butterbroten verzehrten. Danach wurde der Marsch fortgesetzt. So zwischen 8 und 9 Uhr kamen wir dann in Münster an., wo die Geschäfte erledigt wurden. Des Mittags fuhren wir dann gewöhnlich mit dem Zuge nach Greven und von da zu Fuße nach Hause. So ein Tagewerk war zwar ermüdend, doch blieben wir dabei fröhlich und guten Mutes. Nach einigen Jahren mietete sich Maneke im Dorf das alte Haus, die Scheere, von dem Lehrer Hilgemann. Hier entwickelte sich Maneke zu einem regelrechten Uhrmacher, legte auch einen Laden in Uhren, Ketten, Broschen an. Auch ein kleiner Buchladen in christlichen Schriften, Bibeln, Gesangbücher u.d.gl. wurde eingerichtet. Als das Springmeiersche Colonat verpachtet wurde, pachtete sich Maneke auch einige Stücke Land, so daß er eine Kuh halten und einige Schweine mästen konnte.. So kam immer etwas mehr Wohlstand ins Haus. Der Kinder kamen auch immer mehr. Kindersegen hatte er viel. Ich glaube, im Ganzen hat er 12 oder 13 gehabt. Als der Schulten Wilm das Nebenhaus kaufte und darin eine Wirtschaft anlegte, war dem H. Maneke nicht mehr so recht wohl. Dann kaufte der Schulte dem Hilgemann die Scheere ab und somit war Maneke Miether, Heuerling des Schulte geworden, mußte dann noch ein Teil des Gartens abgeben und somit war meinem Freunde gar nicht mehr recht wohl. Das Leben in Ladbergen wurde ihm immer mehr verleidet. Er sehnte sich weg von hier in die Freiheit, wo er sich ausdehnen, sein Geschäft erweitern, mehr verdienen und etwas fürs Alter ersparen könne. Aber wohin?

Da kamen Briefe von einem Ladberger, W. Stienecker, Pastor in einer reformierten Gemeinde in Wisconsin, Amerika. Der wollte da in der Nähe von Wausau eine neue Ladberger Kolonie gründen. Es kam das Auswanderungsfieber in unserer Gemeinde zum Ausbruch. Unsere Gemeinde war auch überbevölkert, es konnte so nicht bleiben. Viele entschlossen sich zum Auswandern. Auch bei Maneke kehrte das Fieber ein. Es brach so unverhofft schnell aus. Nachdem er sich mit Pastor Stienecker brieflich in Verbindung gesetzt, stand sein Entschluß fest, Ladbergen Lebewohl zu sagen. Mir tat's ungemein leid, daß er fortziehen wollte. Aber ich konnte ihn nicht halten. Es mußte geschieden sein. 

Die Habseligkeiten, welche er besaß, ließ er verkaufen und hoffte so viel zu erlangen. daß er die Reise bestreiten könne. Aber eine Familie von 6 oder 7 Köpfen braucht schon ein nettes Sümmchen, um von hier in den Norden Wisconsins zu erlangen. Doch ich besaß ja noch ein kleines Ersparnis und die gab ich dem Freunde mit und so langte es eben. Später hat er mir die reichlich 100 Mark zurückerstattet. Es war im April 1882 da reisten sie ab, mit einer ganzen Reihe anderer. Ich konnte es mir nicht nehmen lassen, den Freund bis aufs Schiff zu begleiten. Zwei Tage vor der Abreise in Bremerhafen trafen wir in Bremen ein. Da haben wir noch herrliche Stunden miteinander verlebt. Dann ging's nach Bremerhafen, wo ich die Ladberger bis aufs Schiff geleitete. Noch ein warmer Händedruck, ein Lebewohl. Bald wurden die Anker gelichtet, das entschwand den Blicken. Ich stand einsam am Ufer und mir wurde wehmütig ums Herz.

Am 1.Mai landete das Schiff des Kronprinz Friedrich Wilhelm. Dann kam die Reise zu Lande. Zuerst reisten sie zu Pastor W. Stienecker, der in Madeina in Wisconsin wohnte. Dort blieben sie 3 Tage. Dann ging's in dessen Begleitung nach Wausau. Aber, o weh, wie wimmelte es da von Einwanderern, so daß die Familie mit ihren 5 Kindern nirgendwo bleiben konnte für die Nacht. Pastor Stienecker ist dann herum gelaufen, bis er eine Familie fand, die bereit war, die Familie Maneke für ein paar Wochen ein notdürftiges Obdach, ein Zimmerchen, zu geben.

Stienecker kaufte dann ein Stückchen Land und ließ ein Farmhäuschen darauf bauen. In 14 Tagen war es fertig und man konnte einziehen. Aber der Anfang war ungemein schwer. Als sie in Wausau ankamen besaßen sie nur noch 11 Cent. Zuerst wurde nun versucht, bei der Uhrmacherei Arbeit zu finden, aber das schlug fehl. Dann wurde es auf der Sägemühle als Arbeiter versucht, aber nur kurze Zeit, da die Arbeit für ihn, der nur einen schwächlichen Körper besaß, gar zu schwer war. Nun wurde dann eine Arbeit auf der Eisenbahn als Streckenarbeiter übernommen. Das währte bis zum März nächsten Jahres. Inzwischen war die Frau mit einem Pastor bekannt geworden, indem da sie so gerne las, sich Bücher lieh. Der Pastor fragte sie dann bei dieser Gelegenheit, wo sie her und was für ein Geschäft er eigenst gelernt. Als er dann hörte, daß er Uhrmacher wäre, meinte er, daß er dann doch Uhrmacherei betreiben müsse. Er kam dann zum Besuch ins kleine Häuschen. Als er nun einen Blick in das Leben der armen Leute getan, tröstete er die Familie und ermunterte zur Geduld und Ausdauer. Die auf den Herren harren kriegen neue Kraft. Ja, es wird keiner zu Schaden, der auf den Herrn harrt. Wenn die Not am größten ist Gottes Hilfe am nächsten. Ja hier war die Not groß. Nichts, gar nichts besaß er. Kümmerlich mußten sie ihr Leben frißten. Die Frau ging tags hinaus in den Wald und pflückte Beeren, um damit etwas Geld zu lösen.

 

 

Anmerkung: Hier endet ganz abrupt die Geschichte in den Unterlagen, die ich von meinem Vater bekommen habe. Durch Wilhelm Höhn, dem Sohn von Pastor Höhn, bekam ich die Fortsetzung der Geschichte. Wilhelm lebt in Tecklenburg und ist mit Rosemarie Hillgärtner verheiratet, einer der Großnichten von  Heinrich Manecke.

 

Doch zum Fortkommen reichten beide Verdienste nicht aus. Nun suchte Manecke sich Arbeit als Streckenarbeiter bei der Bahn. Fand sie auch. Diese war nun zwar leichter wie auf dem Sägewerk, jedoch der Verdienst geringer. Es wurde allmählich bekannt, daß Manecke ein Uhrmacher sei, und Uhren reparieren konnte. Die ersten Kunden waren die Rottenarbeiter. Für diese reparierte er Uhren, und da er sehr geringe Preise nahm, wurde er bald bekannt. Nun hatte er keine ordentliche Werkzeuge. Seine schönen, aus Deutsch land mitgebrachten Werkzeuge, waren ihm gestohlen. Aber auch dieser Verlust machte ihn nicht mutlos. Das Allernötigste kaufte er sich, zum Teil fertigte er sich die einfachsten Werkzeuge selbst an. Im Frühjahr 1883 mietete er sich in der Mitte der Stadt ein Stübchen und richtete eine Uhrmacherwerkstatt und einen kleinen Laden ein. Und dies kam so.

Die Frau des Manecke las allerlei Geschichten und Bücher. Und da die Familie selbst wenige besaß und zu neuen kein Geld da war, lieh sie sich solche von dem Pastor der St. Pauls Gemeinde. Dieser frug bei einer solchen Gelegenheit nach ihrem Herkommen und was sie denn jetzt so trieben. Als er nun hörte, daß er Uhrmacher sei, meinte er, dann müsse er auch dieses Geschäft betreiben. So schwer würde es doch nicht sein, Arbeit zu bekommen. Als die Frau Manecke ihm erwiderte, daß sie kein Geld hätten, meinte der Pastor, dieses sei in Amerika kein Grund zum Vorwärtskommen.

Eines Tages kommt dann der Pastor zu Manecke und stellt diesem die ganze Sachlage nochmals vor und daß er nur Mut und Gottvertrauen haben solle, es würde schon alles gut werden. Als Manecke ihm nun erklärt, daß er bereit wäre, ein Uhrengeschäft anzufangen, ging der Pastor los und mietete im Mittelpunkt der Stadt für ihn einen kleinen Laden. Es war nur ein kleines Stübchen mit einem Fenster nach der Straße gelegen. Indem Manecke sich nun etwas einrichtete, hatte sich der Pastor mit einem reichen Kaufmann Kickbusch in Milwaukee, einem En-gro-Geschäft in Uhren, Gold und Silberwaren in Verbindung gesetzt, und diesem den armen, arbeitsamen, treuherzigen Deutschen in seiner Lage so gut geschildert, daß dieser seinen Reisenden nach Wausau sandte mit einer großen Kiste voll Uhren, Gold- und Silbersachen. Nun sitzt eines Tages der Manecke in seiner neuen Werkstatt und repariert so etwas an alten Uhren herum. Da tritt ein vornehmer Herr herein und fragt, ob er bereit wäre, eine Commission in Uhren etc. Sachen zu übernehmen. Und als sich Manecke dazu bereit erklärte, aber noch hinzufügte, er habe kein Geld zu einer Kaution, sagte der Fremde: "Ach was, dieses brauchen wir in Amerika nicht, mein Prinzipal sieht auf die ehrlichen Augen und die haben sie, also nur angefangen", und geht fort. Nachher kommt er zurück mit einem Tischler. Dieser hat ein Schaufenster und setzt dies ein. Auch eine Theke, ein Glasschrank usw. wird ins Haus gebracht. Dann kommt eine große Kiste, die wird ausgepackt und ausgebreitet im Schaufenster im Glaskasten und Glasschrank, Uhren und Gold und Silbersachen. Das glänzt und blinkt, eine Herrlichkeit größer als die andere. Unser Manecke steht dabei und weiß keine Worte zu finden. Draußen am Hause zeigt ein Firmenschild mit der Inschrift:

 

H. Manecke

Watchmaker and Jeweler

Dealer in

Watches, Clocks, Jewel.s etc

an,  daß hier ein Uhrengeschäft sich befinde.

Am anderen Tage kamen schon viele Käufer und kauften bei dem deutschen Uhrmacher. Als am ersten Geschäftstage des Abends Manecke seinen Laden abschloß und nach Hause wanderte, klang es unaufhörlich in seiner Seele:

 

"Wie groß ist des Allmächtigen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt,

der mit verhärtetem Gemüte den Dank erstickt, der ihr gebührt?

Nein, seine Liebe zu ermessen, sei ewig meine größte Pflicht.

Der Herr hat mein noch nie vergessen,

vergiß, mein Herz, auch seiner nicht!

Ch. F. Gellert

Ja, sein heißes Gebet und Flehen hatte der Herr so wunderbarlich erfüllt.

 

Weg hast du allerwegen, an Mitteln fehlt dirs nicht;

dein Tun ist lauter Segen, dein Gang ist lauter Licht;

dein Werk kann niemand hindern, dein Arbeit darf nicht ruhn,

wenn du, was deinen Kindern ersprießlich ist, willst. tun.

Paul Gerhardt

 

Mit dem lieben Kaufmann ist er zeitlebens befreundet geblieben. Dieser lud unseren Manecke im Sommer zuweilen zum Besuch ein. Das waren dann herrliche Tage, wenn er in Milwaukee bei Kickbusch zu Gast sein durfte. Das Geschäft entwickelte sich nun immer mehr. Der Weg vom Wohnhause zum Geschäft war 20 Min. zu gehen. Um 7.oo Uhr des Morgens wurde das Geschäft geöffnet und punkt lO:00 Uhr geschlossen. Sonntags war es ganz geschlossen. Im Winter, wenn der Schnee oft sehr hoch lag, oft 4 Fuß, waren die Touren hin und zurück recht beschwerlich; namentlich als im Jahre, im Sommer 1887 das Nervenfieber in Wausau ausbrach. Es fielen ihm auch Ladberger zum Opfer, wie der Wilhelm Nagel und die Schwester der Frau Manecke, Luise. Auch Manecke selbst bekam das Fieber und schleppte sich recht mühsam dahin. Doch Gott half wunderbar durch.

Sein Wunsch war, möglichst nahe beim Geschäft eine Wohnung zu haben. Im Herbst, nach überstandener Krankheit, mietete er sich nahe bei dem Geschäftshaus eine Wohnung und zog dorthin. Das war eine Erleichterung. Im Frühjahr kaufte er sich ein größeres, passenderes Wohnhaus. Auch konnte er einen größeren, passenderen Laden mieten. Das Haus gehörte einem deutschen Advokaten, namens Müller, auch ein Westfale. Als Manecke den Laden von demselben mietete, waren sich beide noch unbekannt. Allmählich wurden sie bekannter. Der Advokat fühlte sich immer mehr zu Manecke hingezogen und es dauerte gar nicht lange, und so waren sie intime Freunde. Der Laden war im Wohnhause des Herrn Müller, und das von Manecke gekaufte Wohnhaus lag neben dem Müllerschen Hause. Nun hatte Freund Manecke eine gute Nachbarschaft. Müller war ein edler Mensch und gleich christlicher Gesinnung wie Manecke. Beide sind ihr Leben lang, über 2o Jahre, Herzensfreunde geblieben. Müller starb 6Monate früher als Manecke.

In dem neuen Laden dehnte sich das Uhrmachergeschäft immer weiter aus. Jeder wollte vom deutschen Uhrmacher bedient sein, hatte er doch in ganz Wausau den Ruf eines ehrlichen, gewissenhaften Menschen, von dem man nicht betrogen wurde. Sein Sohn August, erst 12 Jahre alt, mußte mit ins Geschäft und ist auch ein tüchtiger Geschäftsmann geworden, der jetzt in Merril, 18 Meilen von Wausau, ein eigenes Geschäft besitzt. Auch die anderen Söhne, Fritz und Walter, so wie Wilhelm waren bald gute Gehilfen des Vaters.

Diese vier erlernten die Uhrmacherei. Der Sohn Heinrich widmete sich dem Baufach und ist Architekt geworden. So hat sich alles gut entwickelt unter der Leitung des Chef's, des Herrn Manecke. Neben der Uhrmacherei wurde auch ein Kaufmannsgeschäft, Handel mit optischen Instrumenten übernommen, dazu noch eine Sortimentsbuchhandlung, christliche Bücher und Schriften eingerichtet. Auf letzterem Gebiete hat Manecke in Wausau viel geleistet, das heißt, Lesestoff unters Volk verbreiten erachtete er als seine Lebens Aufgabe. Er selbst war ein rechter Bücherwurm. Als er immer mehr zu Wohlstand gelangte, schaffte er sich selbst für eigenen Gebrauch immer mehr Bücher an. Oben in seinem Hause hatte er eigenes Zimmer, ein Heiligtum für sich ganz alleine, eingerichtet. Da standen an den Wänden die großen Regale, mit vielen Hunderten Büchern, und auf den Tischen standen die optischen, mathematischen und physikalischen Instrumente. Auf einem besonderen Unterbau das große Teleskop. Wem da vergönnt war, dies Zimmer zu betreten, es mußte übrigens ein ganz intimer Freund sein, den Schlüssel dazu trug er stets in der Tasche, der sah sich in ein Gelehrtenzimmer, in das eines Professors irgendeiner Universität versetzt. Die Bücherei war eben sein Steckenpferd geworden. Er besaß eben einen riesigen Wissensdurst.. Und dieses war sein Fehler. Wenn er abends aus dem Geschäft nach Hause kam und gegessen hatte, stieg er die Treppe hinauf und schloß sich in sein Zimmer ein und studierte die halbe Nacht. Anstatt sich der Familie und den Kindern zu widmen, las er in den Büchern. Die Erziehung der Kinder lag somit fast ganz allein der Hausfrau ob. Und dies war nicht richtig. Es waren ihm von Gott eine ganze Reihe Kinder beschert, im Ganzen 14. Davon sind ihm im Tode 4 voran gegangen.Es leben noch 5 Knaben und 5 Mädchen.. Daß bei einer solchen Zahl auch die männliche Hand mit eingreifen muß, um diese zu christlichen Charakteren zu bilden, ist ja ganz natürlich. Manecke war mehr Denker, mehr Philosoph, als einer, der da schafft und arbeitet. Also auf dem Gebiet der Kindererziehung war er nicht der Praktiker wie in seiner Uhrmacherei. Die Folge war, daß die Kinder oberflächlich und leichtsinnig wurden, namentlich, als der Vermögensstand des Vater's so zunahm. Ich will damit nicht sagen, daß sie sich gerade schlecht aufführten. Sie achteten das Geld nicht so wie der Vater es in seiner Jugend und ersten Zeit hatte tun müssen. Das stille, ruhige Wesen des Alten hatten die Jungens (Söhne )nicht. Schlugen daher des öfteren über die Strenge, so daß der Alte wieder für sie in den Riß treten mußte.

Eine deutsch reformierte Gemeinde bestand in Wausau bei der Ankunft der Familie Manecke noch nicht. Da aber immer mehr Deutsche dem reformierten Bekenntnis angehörend sich zusammenfanden, dachte man daran, eine selbständige Gemeinde zu gründen. Der Urheber und Leiter des Ganzen war unser Manecke in Verbindung mit dem Ladberger H. W. Stienecker, welcher als Pastor ausgebildet war und wie bereits erwähnt die Besiedelung der Ladberger in Wisconsin in die Wege geleitet hatte. Man beschloß, eine eigene Kirche zu bauen. Das beratende und durchführende Gemeindeglied war eben Manecke. Ein Bauplatz wurde gekauft und mit dem Bau begonnen. Eine Kirche zu bauen, geht in Amerika schnell.. In ein paar Wochen steht so ein Kirchlein fix und fertig da. Das reformierte Kirchlein ist ein hübscher Bau geworden. Zwar ganz aus Holz, eine echte amerikanische  Kirche. Das Schiff hat rechts und links je 4 Spitzbogenfenster. Der Chor, der angebaut ist, hat an jeder Seite 2 kleinere Fenster. Ein schmuckes Türmlein ist davor gebaut und ragt mit den runden Glockenfenstern noch beträchtlich über den Dachfirst der Kirche. Eine schlanke Spitze mit dem Kreuz gibt den AbschluB des Turmes. Es war ein Freudentag für die junge Gemeinde als das Gotteshaus eingeweiht wurde. Der erste Pastor war ein geborener Ladberger, der genannte H. W. Stienecker. Der nach dessen Versetzung, war dessen (Stienecker's) Schwager Otto Mühlmeyer. Diesem folgte dann ein Pastor Schnulle. Der jetzige Pastor heiBt Fünfstück. Manecke wurde Kirchenältester und versah auch das Amt eines Kirchendiener's. Es waren immer große Schwierigkeiten mit Gründung der Gemeinde, Ankauf des Grundstückes so wie dem Bau der Kirche zu überwinden. Manecke besaß ein unerschütterliches Gottvertrauen und dies gab ihm Mut und Ausdauer.

Dann übernahm Manecke auch das Schatzmeisteramt und die Leitung der Sonntagsschule. Sehr oft mußte er selbst tief in seinen Geldbeutel greifen, wenn Geld nötig und keines vorhanden war. Er hat immer viel aus eigener Tasche bezahlt. Alles was er besaß nahm er als ein Geschenk aus Gottes Hand an. Er selbst betrachtete sich nur als Haushalter. Daher gab er es hin, ohne Aufsehen zu machen, stets geheim, daß es ja keiner merkte. Das Missionshaus in Schebaugau (?) Wis. , weiß davon zu berichten, wie oft Gaben für die Mission einliefen, ohne Absendernamen, nur mit den schlichten. Worten: Dem Herrn bekannt. Die Vermögensverhältnisse wurden immer besser, so daß Manecke sich schon allerlei leisten konnte. Das Wohnhaus wurde vergrößert und besser eingerichtet. Ein Badezimmer, Wasserleitung und elektrisches Licht wurden angelegt. Später wurde noch ein zweites, kleineres Wohnhaus daneben erbaut. Worin jetzt eines der Kinder wohnt.

Eine große Freude war es für unseren Manecke, wenn, da die Söhne schon dem Geschäft vorstehen konnten, er die jährliche Reise in den Urwald machen konnte und die anderen Ladberger besuchen. Reisen machte er sehr gerne. Schon bald, als er einigermaßen fest im Sattel saß, machte er eine Fußtour durch den Urwald, wo noch kein Deutscher gewesen. So erzählte er mal von einer solchen Tour, die er gemacht und schildert die Vegetation eines solchen Waldes. Die himmelhohen Bäume, das Strauchwerk, darunter die tiefe Humusschicht mit dem grünen Moos darüber wie eine Samtdecke.

Da kommt er vor einen grünen, mit Moos überwachsenen Wall, der ihm bis an die Brust reicht. Er kann nicht rechts noch links ausbiegen, er muß hinüber. Er klettert hinauf, aber o weh, als er in der Mitte darauf steht, sinkt er ein. Und was ist der ganze Wall? Ein gestürzter Riesenbaum, durch und durch vermodert. Er steht nun mit den Beinen tief in diesem vermoderten Holze. Mit Mühe windet er sich heraus und landet auf der anderen Seite auf festem Boden. Die Sonne neigt sich schon dem Untergang zu und er hat die Richtung verloren. Fast meint er, da sehr ermüdet, sich im  weichen Moos ein Nachtlager schaffen zu müssen. Doch da entdeckt er in weiter Ferne ein Licht. Auf dieses zu setzt er die Wanderung fort. Da endlich, es ist schon recht finster, kommt er in eine Lichtung und sieht ein Haus. Er klopft an. Die Leute öffnen und sehen den nächtlichen Wanderer recht mißtrauisch an. Aber da er sie deutsch anredet, schwindet das Mißtrauen und macht einer Herzlichkeit und Freundlichkeit Platz, so daß sie ihn zum Bleiben nötigen. Er fand liebe, biedere Deutsche, die sich freuten, einen Weißen und dabei noch einen Deutschen zu finden. Ein und ein halbes Jahr hatten sie keinen Menschen mehr gesehen. Die Menschen hatten sich ein Anwesen geschaffen und waren glücklich trotz ihrer Einsamkeit. Auch in die Gebirge, nach Wasserfällen, machte er zuweilen Ausflüge, da wurden dann fotografische Aufnahmen gemacht und die Schönheit der Natur bewundert.

Schade, daß ihm die Gabe des Gesanges nicht gegeben war. Seine sämtlichen Kinder konnten singen wie die Nachtigallen, das hatten sie von ihrer fröhlichen Mutter geerbt. Sämtliche Kinder waren musikalisch und spielten Zither und Klavier. Nur eine, die älteste Tochter, hatte das Spielen nicht erlernt, da zu Anfang noch kein Instrument beschafft werden konnte. Wenn der Deutsche im Auslande lebt, auch wenn er sein Brot gefunden und ein gutes Auskommen hat, eine Sehnsucht nach dem alten Vaterlande beschleicht ihn oft. So auch unseren Freund Manecke. Er bekam auch diese Sehnsucht und wünschte die Stätte seiner Jugend noch mal zu sehen. Als nun die Kinder aus den Strümpfen und er abkommen konnte, konnte er dem Zuge nach der Heimat nicht länger widerstehen. Es war in den Tagen vor Pfingsten im Jahre 1903, wo er nebst Frau hier in der Heimat eintraf. Er war noch der bescheidene Mann von früher geblieben und man sah es ihm nicht an, daß er ein wohlhabender Amerikaner geworden war. Hier hielt er sich mehrere Monate auf. Besuchte nicht allein Bekannte und Verwandte, sondern auch die Sehenswürdigkeiten am Rhein und die Naturschönheiten der Schweiz. Doch kränkelte er schon bedenklich. Namentlich ein Lungenleiden und Husten quälten ihn oft schon. Er war viel schweigsamer als früher, so daß es oft lange dauerte, bis er recht in Fluß kam.

Aber oft hat er davon erzählt, wie Gottes Hand ihn so väterlich. geführt, oft wunderbarlich, aber doch selig.

 Namentlich am letzten Abend seines Hierseins erzählte er mir noch recht eingehend die Gründung seines Geschäftes da drüben in Wausau. Er fühlte sich sehr glücklich.

Von dem was er dort drüben zum Wohle seiner Mitmenschen getan, wie durch seine Bemühung dort die Gemeinde entstanden, wie die Kirche gebaut worden, davon hat er mir nie ein Wort geschrieben und davon mir auch nie etwas erzählt. Das eigene Ich trat bei ihm stets zurück. Immer habe ich die Hoffnung gehegt, noch nach Wausau reisen zu können und mit ihm dann zusammen noch durch die Wunder Wisconsin's zu reisen, wie er dies öfter mit dortigen Freunden gemacht. Dieser mein Wunsch ist nicht erfüllt worden. Etwa Anfang August nahmen wir dann zum 2. Male Abschied. Durch persönliches Unwohlsein durfte ich ihn auch nicht bis auf das Schiff  begleiten, wie dies zum 1. Male der Fall war.

Nachdem er in seiner amerikanischen Heimat wiederangelangt, widmete er sich in alter, gewohnter Weise wieder seinem Geschäft. Doch bald merkte man es ihm an, daß seine Gesundheit dahin sei. Seine Engbrüstigkeit und Husten nahmen zu. Doch im Sommer besserte es sich immer wieder etwas, so daß er die gewohnten Besuchsreisen mit Frau und seinen lieben Freunden, den Advokaten in den Busch, wo die anderen Ladberger Ansiedler wohnten, noch machen konnte. Die Reisen waren die schönsten Tage für ihn. Dann taute er wieder auf, wenn man sich unterhalten konnte von der alten Heimat und die Erinnerungen aus der Jugendzeit wieder auffrischte. Er spürte aber schon lange, daß er bald zur oberen Heimat gehen wurde, daher hat er zeitig sein Haus bestellt. Durch ein Testament vermachte er seine theologischen und religiösen Bücher, und davon besaß er eine große Menge, wohl für 3-400 Dollar, sowie seine physikalischen Instrumente und das gewaltige Teleskop, dem Missionshaus der reformierten Synode zu Shebaugau.

Bis Frühjahr 1908 ging es mit seiner Gesundheit noch so leidlich, doch da kam Müdigkeit und Schwäche und das Lungenleiden verstärkte sich. Er konnte die Treppe zu seinem Prophetenstübchen nicht mehr hinaufkommen. Mit Wehmut nahm er Abschied von diesem Zimmer, schloß ab und übergab den Schlüssel unter Tränen und tiefer Rührung seiner Frau.

Er mußte sich legen oder im großen Lehnstuhl sitzen.. Die Atemnot nahm immer mehr zu. Die letzten Tage waren ein sehr schwerer Kampf. Aber den Glauben hat er behalten. Weinend umstanden seine Kinder, seine Frau und die Freunde sein Lager. Aber wie hart auch der Kampf, die Ruhe und Ergebenheit verließen ihn nie. Am 27. Juni 1908 entschlief er und ging als Sieger ein zur ewigen Heimat.

Die Kirchenzeitung der deutschen Synoden der Reformierten Kirchen in den Vereinigten Staaten widmete ihm folgenden Nachruf:

 "Am 27. Juni 1908 starb nach monatelangem Leiden, Heinrich Manecke, der Gründer der reformierten Gemeinde in Wausau, Wis.. Durch seinen Heimgang haben wir eines von den besten und tüchtigsten Gemeindemitgliedern verloren. Er hat alle die Anfangsschwierigkeiten, die bei der Gründung einer Gemeinde mit nur wenigen Familien vorkommen, durchgemacht. Längere Zeit hat er alle Ämter vertreten, Ältesten-Amt, Sonntagsschulleiter, Schatzmeister und Kirchendiener. Vieles hat er aus eigenen Mitteln angeschafft, denn für die Kirche opferte er gerne. Die ersten Prediger der Gemeinde,  H. W. Stienecker, Otto Mühlmeyer und F. R. Schnüle wissen davon zu erzahlen. Dabei war er still und bescheiden und sprach nie viel von dem, was er getan hatte. Manche Gaben sande er ungenannt an das Missionshaus und für die Emigrantenmission mit den Worten: "Dem Herrn bekannt!" So hat er uns ein schönes Beispiel gegeben und ein gutes Andenken hinterlassen. Der verewigte hatte sich durch fleißiges Privatstudium bedeutende Kenntnisse angeeignet. Er besaß eine ausgewählte Bibliothek, wie man sie bei einem Privatmann selten findet. Über irgendeine theologische Frage konnte ich mich eingehend mit ihm unterhalten, so daß auch für mich sein Heimgang ein großer Verlust ist.

Geboren wurde er am 3. Jan. 1849 in Ladbergen, Provinz Westfalen. In der Jugend erlernte er das Uhrmachergeschäft, (ohne Lehrmeister, nur aus Büchern). Er verheiratete sich 1872 mit Friederike Kassling und kam dann 1882 nach Wausau Wisc., wo er bis zu seinem Ende das Uhrmachergeschäft betrieb und sich durch Fleiß und Treue eine geachtete Stellung erwarb. Er hinterläßt die trauernde Witwe und 1o Kinder (4 Kinder sind schon im Tode vorangegangen). Das Begräbnis fand unter sehr großer Teilnahme statt. (Ungeheure Blumenspenden, keine künstlichen Blumen, sondern aus dem Treibhaus bezogen, umgaben und bedeckten den Sarg). Die Gemeinde. sang das Lied:" Näher mein Gott zu Dir", und die Chorsänger: "Im Herrn entschlummert".  Der Unterzeichnete wählte zum Leichentext: Johannes 14,1+2, und die Offenbarung des Joh.21, Vers 4.

Laßt ihm die Grabschrift hauen: "Hier schlief ein Pilger ein, er muß in Zions Auen, ein guter Bürger sein".

E. A. Fünfstück, Pastor der reformierten Gemeinde, Wausau, Wisc.

2.July 1908

Anmerkung: Es ist anzunehmen, dass Pastor Fünfstück die Geschichte von Friedrich Schoppenhorst*1848 ergänzt hat.