Die Schoppenhörster in Holland

In der Chronik von Friedrich*1848 ist eindrucksvoll das Leben der Hollandgänger beschrieben worden, aber auch der Heimatverein Ladbergen hat sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt.

 

 

In dem Buch "Ladbergen" von Friedrich Saatkamp (1) wird von einem Rockendreher (fertigt die Spindeln fürs Weben an) und Spinnradmacher Schoppenhorst berichtet, der als Bote zwischen Holland und Ladbergen pendelte, um die Hollandgänger (Torfstecher*) mit Post und anderen Annehmlichkeiten zu versorgen. Im 19. Jahrhundert  war die Bevölkerung Ladbergens arm, weil der wenig fruchtbare Boden kaum etwas hergab. Vor allem die Heuerlinge (sie bewohnten ein kleines Haus mit etwas Acker herum auf dem Besitz eines Großbauern und bezahlten ihre Miete  durch körperliche Arbeit) hatten es im Winter schwer. Durch Torfstechen in Holland konnten sie etwas dazu verdienen: 

Solch ein Bote war der Vater von Friedrich Schoppenhorst*1848 Wilhelm Schoppenhorst*1795 (34) (Bild mit Ehefrau Anna König). Da die Verpflegung der Hollandgänger in Holland sehr kostspielig war (durch Preisabsprachen der holländischen Kaufleute untereinander),  übernahm Wilhelm die Organisation der Versorgung der Heuerlinge von Ladbergen aus mittels Pferdewagen (aus Heimatverein Ladbergen).

Mein Vater erzählte mir in meiner Jugend, dass dieser Wilhelm mit zwei Frauen verheiratet gewesen sein soll. Die eine lebte in Ladbergen, das war Anna König (siehe Bild), die andere in Holland. Beide sollen nie von einander gehört haben. Mit beiden Frauen habe er Kinder gehabt. So werde es bestimmt auch in Holland Personen geben, die den Namen Schoppenhorst tragen, meinte mein Vater. Wilhelm starb im Jahre 1876 und war der letzte Hollandbote in Ladbergen.

Auch in Holland hat mein Vater nach Schoppenhörster gesucht, aber keine gefunden. Aber es gibt welche. Wil Schoppenhorst las zufällig meine Homepage und bedankte sich dafür, dass er jetzt wisse, wo er herkomme. Als ich ihm aber schrieb, dass die Geschichte mit den zwei Frauen vielleicht nur frei erfunden sei, betrieb er mit seinem Sohn Mirko Ahnenforschung im Internet und bei den Behörden und sie fanden Folgendes heraus:

Wils Großvater war Willem Heinrich Schoppenhorst (184), der 1885 in Holland geboren wurde. Dessen Vater war Hermann Heinrich Wilhelm, der am 18.Okt.1860 (118) in Ladbergen geboren und wiederum Sohn des Ehepaares Heinrich Wilhelm*1832 und Frederike Hagen*14.2.1841(64) war.

Damit zeigt sich, dass  Hermann Heinrich*1860 wohl ein sehr reisefreudiger und unternehmungslustiger Mann gewesen sein muss, denn seine Nachkommen begründen nicht nur die Holland-Linie, sondern auch die Linie der Osnabrücker. Dazu kommt, dass er selbst eine Weile in Essen gelebt hat, da seine Tochter Henriette dort geboren wurde. Das hat er wohl von seinem Vater geerbt, dessen Streiche in Ladbergen bekannt waren und von Friedrich unter "Dorfbuben" beschrieben worden sind.

So schön die Geschichte des Hollandbotens mit den zwei Frauen auch ist, die Holländer stammen aber nicht von ihm ab.

Im Internet (bei geocities.com) ist eine Karte über die Gebiete am Ijsselmeer zu finden, in denen Schoppenhörster leben. Das sind die Familienmitglieder von Wil Schoppenhorst und seine Verwandten, schreibt Wil.

*So boten die Niederländer den Deutschen die Möglichkeit, in einem Zeitraum von 10 Wochen bei 16stündiger Akkordarbeit als Torfstecher, Grasmäher, Ziegelbrenner u.a. einen relativ hohen Lohn zu erhalten... aus Heimatverein Ladbergen

 
 

Das Bild Wilhelm Schoppenhorst und Anna König aus dem Jahre 1870, fand Herr Apitz von der Evangelischen Kirche in Ladbergen in seinen Unterlagen