Bedeutung, Stammhaus und die ersten Namensträger

 

     
 

Mein Vater, Hermann Martin Schoppenhorst, (243) ehemaliger Gemeindedirektor von Ladbergen, hatte mir als Kind erklärt, dass der Name Schoppenhorst „der im Schuppen am Walde lebt“ bedeutet. Die ehemalige „Kunsttischlerei Schoppenhorst“ (Bild rechts), heute Ausstellung der "Strathwork" in Ladbergen, hatte während meiner Kindheit ein entsprechendes Wappen (ein kleines Fachwerk-Gebäude mit rotem Dach vor grünen Tannen) an dem Turm ihrer Werkstatt hängen.

Diese Interpretation ist aber nach Prof. Udolph nicht die einzig mögliche (E-Mail von ihm an mich vom 1.4.05). Ein Horst ist in Ladbergen kein Wald, Buschwerk oder Gestrüpp, sondern kann auch eine trockene Stelle in einem Feuchtgebiet sein. Diese letztere Interpretation ist nahe liegender, da Ladbergen (Bedeutung: Hügel in der Lake oder in der Niederung; mittelalterlich Name Lacberghe (1)) früher ein Feuchtgebiet war und ein Teil der Bauernschaft Hölter heute noch „Moor“ genannt wird. Die Bauernschaft Wester ist erst im 20. Jahrhundert vollständig trocken gelegt worden. Also bedeutet Schoppenhorst in Ladbergen: „der im Schuppen auf einer trockenen Erhebung im Moor lebt“. Heinz Storck, ehemaliger Vorsitzender des Heimatvereins sagt dazu, ein "Hoarst" (Horst auf Plattdeutsch) ist in Ladbergen eindeutig "eine trockene Stelle auf der man Äcker und Wiesen anlegen kann".  Dafür spricht auch, dass der besagte Schuppen damals am Wechter Feldbach gelegen hatte, dessen Umgebung ein Feuchtgebiet war.

In einer Chronik hat Friedrich Schoppenhorst*1848  (89) eine eigene Geschichte über den Ursprung des Namens aufgeschrieben, in der ein Stammhaus erwähnt wird: "Der Colon Ferlemann hat für einen seiner Söhne einen Schuppen (Plattdeutsch: Schoppen) vom Hof genommen und in der Horst als Wohnhaus aufgebaut".  So beschreibt Friedrich Schoppenhorst den Ursprung seines Namens: Schoppen-in-der-Horst. Die Historikerin Brigitte Jahnke aus Tecklenburg hält das allerdings für ein "Ammenmärchen" (Zitat). Da Friedrich sein Wissen mit keinem Dokument belegen kann, sondern auf ein sog. "Hörensagen" zurückgreift, ist diese Namensdeutung im wissenschaftlichen Sinn nicht belegt. Außerdem sei eine familiäre Bindung zwischen den Ferlemanns und den Schoppenhörster sehr unwahrscheinlich, da die Schoppenhörster standesmäßig deutlich unter den Ferlemanns gestanden haben, schrieb sie mir in einer Email im Jahr 2010. In einer späteren Email ergänzt sie, dass der Hof früher "Achter den Verl" geheißen habe. Wie daraus dann Schoppenhorst geworden sei, könne sie nicht erklären. Denkbar wäre die Namensänderung durch eine Übernahme oder die Verwendung eines Spitznamens.

Was war oder bedeutet "die Ferlemanns Horst"?  

Ein Gebiet zwischen der Gastwirtschaft "Up de Birke", der heutigen Boddenkuhle und dem Bauer Ferlemann an der Tecklenburger Straße, dort, wo nach dem Krieg die vielen Bombentrichter mit dem Heidekraut und den Wacholderbüschen waren,  muss früher so geheißen haben. Heute kennt in Ladbergen niemand mehr den Begriff Ferlemanns Horst und keiner weiß, wo Ferlemanns Horst gelegen hat, auch der jetzige Bauer Ferlemann nicht. Jedenfalls hat hinter der Gastwirtschaft "Up de Birke", dort wo am Autobahnrastplatz an der Buddenkuhle die Brücke über die Autobahn geht, im 17.Jahrhundert der erste Schoppenhorst namens Christian(1) gelebt. Darüber hinaus ist aber auch klar, dass die Familie Schoppenhorst in der Nachbarschaft der Familie Ferlemann in Overbeck an der Tecklenburger Straße gfelebt hat. 

Das Stammhaus (linkes Bild), also der zum Wohnhaus umgebaute Schuppen, hat es in meiner Jugend noch gegeben . Der Hof Dowidat-Werdeling, Overbeck 25/50** hatte damals der Familie Werdeling gehört, die den Hof 1885 von der Familie Schoppenhorst (Friedericke Wilhelmine*1846 (84)) gekauft hatte. Später heiratete eine Tochter der Familie Werdeling einen Herrn Dowidat, so dass der Hof den Doppelnamen Dowidat-Werdeling bekam. Das Gebäude wurde im Rahmen des Autobahnbaus A1 im Jahre 1966 abgerissen. Dass der Standort dieses Stammhauses die gleiche Stelle ist, an der das o.g. Wohnhaus stand, scheint belegt zu sein (Klick oben auf Stammhaus). Nach dieser Geschichte ist der Name Schoppenhorst etwa 1665 entstanden.

Was ist aber aus den Namensträgern, die nach 1665 gelebt haben, geworden? Als ich während meiner Anfänge mit der Ahnenforschung im Internet nach dem Namen Schoppenhorst suchte, stieß ich bald auf eine Gerdruyt Schoppenhorst (8) und eine Gedruyt Schappenhorst (das A kann ein mögl. Schreibfehler im Register sein. Prof. Udolph betont in seiner Sendung im Radio 1 Berlin immer wieder, dass die Pastoren bei ihren Einträgen in die Kirchenbücher unglaublich nachlässig waren). Beide Frauen sind vor 300 Jahren geboren, die eine 1722, die andere 1719, aber beide waren mit einem Mann gleichen Namens Geerd Freye verheiratet (http://freepages.genealogy.rootsweb.com). Gelebt hat Gertruyt, bzw. haben beide Gertruyts in Brochterbeck, einem Nachbarort von Ladbergen. Damals wurden Ladbergen  und Brochterbeck gemeinsam verwaltet, weil Ladbergen sich zu dieser Zeit kein eigenes Amtshaus leisten konnte. Man kann also davon ausgehen, dass sie Mitglieder der Gemeinde Ladbergen waren. Sehr wahrscheinlich sind beide Frauen wegen des selben Ehemanns identisch. 

 

Getruyt ist nicht die Älteste, die ich gefunden habe, die den Namen Schoppenhorst trägt. Älter ist Herrman Emanuel Schoppenhorst, geb. 17.4.1709 (3) in Ladbergen. Diese ersten Untersuchungsergebnisse habe ich dann im Internet veröffentlicht, in der Hoffnung damit Menschen zu finden, die mir weiterhelfen. Lorri Hughes, Indiana, USA, entdeckte meine Seite im Internet und schrieb mir am 11.8.2005 eine Email mit einer Ahnenliste (aus "Descendants of Liesbeth Kortlücke"). In dieser Liste ist der Name Schoppenkerstein der erste Name, von dem alle anderen Schoppenhörster abzustammen scheinen. Dann schrieb mir Jane Denny, MO USA, im Dez. 2005, dass sie einen Christian Schoppenhorst gestorben am 27 April 1730 (1) im Alter von 80 Jahren, für den Vater von oben genannten Emanuel*1709 hält. Sie schickte mir die Fotokopie eines Mikrofilms der Mormonen, in dem eindeutig der Tod Christians im Alter von 80 Jahren bestätigt wird. Die Urkunde stammt aus dem Jahr 1730, so dass Christian ca. 1650 geboren sein muss.

 

Ich war im Oktober 2005 in Ladbergen und durfte mir die Kirchenbücher ansehen. Der Name Schoppenkerstein in der Kortlüke-Liste ist falsch, in den Abschriften der Kirchenbüchern steht eindeutig der Name "Schoppen Kerssen". Herr Apitz, Mitarbeiter der evangelischen. Kirche Ladbergen, meinte, dieser Name  wäre möglicherweise so zu erklären, dass ein Herr Schoppen einen Hof mit dem Namen Kerssen gekauft hat oder dorthin geheiratet hat. Dabei käme es mitunter zu solchen Namens-Kombinationen. Wenn sich tatsächlich unser Name von Schoppen Kerssen ableiten sollte, wäre die Namensgeschichte von Friedrich Schoppenhorst falsch. Oder es liegt ein Schreibfehler vor? Oder gibt es vielleicht zwei unterschiedliche Ursprünge?

 

Pastor Clausing in den USA, der sehr viel über die Ahnenforschung Ladbergen weiß, geht eher davon aus, dass Schoppen Kerssen ein Schreibfehler ist. Aus dem Material, dass ich von Cathie Schoppenhorst (308), Jane Denny(83) und ihm erhalten habe, gibt es zu diesem Zeitpunkt nur eine Linie Schoppenhorst und der Name "Schoppen Kerssen" taucht nur vorübergehend bei einer Person auf. (Zitat Pastor J. Clausing: "Ja, die ehemals drei Personen in Deiner Ahnenliste, einmal Emanuel Schoppen Kersten, dann Herman Emanuel und Emanuel  in der Geburtenliste sind dieselbe Person, sie hieß Emanuel Schoppen Kerssen bei der Geburt.  Sein Vater war Schoppen Kerssen ohne Rufname im Taufregister".

Vermutlich leitet sich also der Name "Kerssen" von dem Namen Christian ab. Er war zunächst einmal der Sohn Kerssen (Christian), der in dem Schoppen (Schuppen) seines Vaters wohnte.  Das heißt, Christian*1650 ist der Erste, der den Namen Schoppen(horst) getragen hat. Ob sein Vater, aus der Familie des Bauernhofes Ferlemann an der Tecklenburger Straße stammt, bleibt unklar. 

 

In Ladbergen gibt es heute zwei Familiengruppen mit dem Namen Schoppenhorst, die einen wohnen im Bereich Schulenburger Weg/Kattenvenner Str., die anderen am Telgter Damm. Sind beide  Linien miteinander verwandt und haben sie damit einem gemeinsamen Ursprung?  Aus einem Zeitungsartikel vom 3.5.1995, der  mit Hilfe von Unterlagen, die Christel Schoppenhorst (266) zur Verfügung gestellt hatte, geschrieben wurde und von Heinz Stork aus Ladbergen stammt, ist zu entnehmen, dass die beiden Ladberger Linien Schoppenhorst, einmal Kattenvenner Str./ Schulenburger Weg und dann Telgter Damm einen gemeinsamen Ursprung haben. Als Johan Hermann Wilhelm (18)  das Stammhaus Overbeck 25 verließ und das Heuerlingshaus auf dem Hofe Lütke-Stockdiek bezog, blieb mindestens ein Bruder (12) zurück (Zitat Heinz Stork) Ein Nachkommen dieses Bruders, Heinrich Wilhelm Schoppenhorst *5.Nov.1856 (111), heiratete am 25.Juni 1885 auf dem Hof Krusenklaus am Telgter Damm eine Bernhardine Elisabeth Krusenklaus*24.Jan.1860 (Zitat Heinz Stork) . Damit bekam dieser Hof den Namen Schoppenhorst. Es gibt damit einen gemeinsamen Ursprung der Familiengruppen in Ladbergen.  Beide Familien haben ihren Ursprung in Christian Schoppenhorst. Die Mitglieder der Familie vom Telgter Damm werden auch heute noch von den Ladbergern nicht Schoppenhorst sondern "Kloas" oder "die von Kloas" genannt. 

 

Es gibt noch eine dritte und vierte Familiegruppe in Deutschland mit dem Namen Schoppenhorst. Die eine hat ihren Ursprung in Osnabrück, die andere in Westerkappeln.  Die Osnabrücker haben eine Beziehung zu Ladbergen, sagte Hans Dieter Schoppenhorst (287)  aus Osnabrück. Lediglich mit zwei Telefonaten konnte er das klären: Heinrich Wilhelm*1832/33 (64), ein Urenkel Christians*1650, heiratete am 23.8.1860 Friedricka Hagen *1841. Beide hatten zwei Söhne, Friedrich Wilhelm*1863 (125) wurde Zugführer bei der Reichsbahn und zog nach Osnabrück. Die Familie um Hans Dieter Schoppenhorst, die heute in Osnabrück lebt, stammt von diesem Friedrich Wilhelm ab.

 

Bei den Schoppenhörstern aus Westerkappeln war keine eindeutige Verbindung nach Ladbergen zu erkennen, wie ich von Sven Schoppenhorst  (349) aus Osnabrück erfuhr. Seit Generationen führte diese Familie einen Bierverlag in Westerkappeln. Ein Teil der Familie lebt heute in Westerkappeln, einer anderer in Lotte und ein weiterer in Osnabrück. Dieser Teil ist aber nicht der von dem bereits erwähnten Hans Dieter Schoppenhorst.

 

Sven Schoppenhorst schrieb, dass der älteste nachweisbare Schoppenhorst in Westerkappeln ein Wilhelm, geboren etwa 1895, ist. Ich vermutete daraufhin, dass Hermann Wilhelm*23.Jun.1871 aus meiner Geburten- rund Sterbeliste, der in Ladbergen geboren aber wahrscheinlich dort nicht gestorben ist, der mögliche Vater dieses Wilhelms und damit der Urvater der Westerkappelner Schoppenhörster sein könnte.

 

Herr Apitz fand in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern der evangel. Kirche Westerkappeln einen Heinrich Wilhelm*12.Nov.1900 (227), dessen Eltern ein Heinrich Schoppenhorst und eine Elisa Windmöller waren. Einen Wilhelm*1895 aus Westerkappeln, wie Sven Schoppenhorst schrieb, gibt es in den Kirchenbüchern Westerkappelns nicht. Jane Denny und Pastor Clausing fanden dann mit dieser Information einen Heinrich Friedrich Wilhelm Schoppenhorst (143), der am 23.Jun.1871 geboren wurde und am 4.Sep.1901 in Westerkappeln starb. Er ist mit Sicherheit der Urvater der Westerkappelner Linie. 

 

Aber woher kommt er? Wir haben z.Z. zwei Männer mit einem Geburtsdatum  im Sommer 1871: Einen Heinrich Friedrich Wilhelm (143), der in Ladbergen geboren und in Westerkappeln gestorben ist. Seine Eltern sind aber nicht bekannt und einen Hermann Wilhelm (144), der ebenfalls in Ladbergen geboren wurde und es wahrscheinlich verließ, weil es kein Sterbedatum in Ladbergen gibt. Sein Vater ist der Wirth im Dorfe*1833 (64), Vater auch des Sohnes, der Eisenbahner in Osnabrück wurde. Wenn beide Personen Nr.143 und Nr.144 in der Ahnenliste identisch wären, kämen auch die Vorfahren der Schoppenhörster in Westerkappeln aus Ladbergen. Aber einen eindeutigen Beweis gibt es nicht. Doch Jane Denny als Expertin ist davon überzeugt, dass beide Männer ein und dieselbe Person sind. 

 

Von Jane Denny erhielt ich dann eine Menge von Informationen von den Schoppenhörstern in den USA und Deutschland, dass ich bald eine Ahnenliste erstellen konnte. Aus dieser Liste geht hervor, dass alle bekannten Schoppenhörster von den oben genannten vier Familiengruppen stammen können, einmal in Ladbergen die beiden Linien Kattenvennerstraße und Telgter Damm, dann die Linie Osnabrück und zuletzt die Linie Westerkappeln. Alle Linien haben ihren Ausgangspunkt in Ladbergen und alle stammen von einer Person ab, nämlich Christian 1650-1730.

 

Aber sind damit alle Schoppenhörster erfasst? Im Krieg lernte mein Vater einen Soldaten kennen, der ihm Hinweise auf Schoppenhörster in anderen Teilen Deutschlands gaben. Darüber hinaus vermutete er in Holland weitere Schoppenhörster, aber die größte Gruppe mit dem Namen Schoppenhorst vermutete er in den USA. 

 

Bild oben rechts ehemalige Kunsttischlerei Schoppenhorst, heute Strathwork-Kunstgalerie

Bild oben links Bauernhof Dowidat-Werdeling, Stammhaus der Familie Schoppenhorst.

Die kleinen Zahlen hinter den Namen sind die Links zu  den Namen in der Geburten- und Sterbeliste

 

Übrigens lässt sich der Name Ferlemann viel weiter zurückverfolgen als unserer Name: Aus dem geschichtlich zuerst erwähnten Name Virlinc wurde Virlincmann, dann Werelmann, daraus  Verlemann und schließlich Ferlemann. Der Name Virlinc soll bis ins 12. Jahrhundert zurück zu verfolgen sein, hat jedenfalls mein Vater behauptet. Bisher habe ich das noch nicht weiter verfolgen können. 

**Haus-Nummer 25 oder 50. Heinz Storck, Kenner der Geschichte Ladbergens, meint dazu, Nr.25 war die erste Haus-Nr.. Zunächst wurden die Nummern nach dem Alter der Höfe vergeben. Später wurde das geändert, dann bekamen die Höfe die Nummern nach der Größe. Demnach wäre der Colon Schoppenhorst ein sehr kleiner Bauer in Overbeck gewesen.